Alle Beiträge von chrisinger

Zweites dlh.net Editorial

Hier kommt, wie angekündigt auch noch der zweite Text von Bernd Wolffgramm. Für mich ähnlich lustig, aber doch IT-lastiger. Also auch wenn gerade nicht Oster-Zeit ist viel Spaß:

Liebe Leute,

immer wieder fragen mich DLH-User, ob ich nicht mal einen Ratgeber zum Umgang mit Leuten anfertigen kann, die uns das glückliche Leben am PC immer wieder zur Hölle werden lassen. Nein, ich spreche nicht von den Mitarbeitern eines uns allen wohlbekannten Monopolsoftwarehauses, sondern von … Frauen! Aber lasst euch gesagt sein, niemand versteht Frauen, also auch ich nicht. Ich weiß weder was sie wollen, noch kann ich sie verstehen. Doch vielleicht kann ich euch Hardcore-PC- und Internet-Freaks in Punkto VERSTEHEN eine kleine Hilfe an die Hand geben, um zumindest ihre Verhaltensweisen für euch verständlich zu machen. Ich bediene mich da der wohl weltweit bekannten Fehlerbeschreibung eines Webservers. Also bitte:

Code Fehler Übersetzung

400 Bad Request Frage ohne Blumenstrauss
401 Unauthorized Verheiratet
402 Payment Required Abendessen bei Kerzenschein
403 Forbidden Finger wech da!
404 Not Found Heute Abend mit Freundinnen unterwegs
405 Method Not Allowed Immer schön von vorn annähern
406 Method Not Acceptable Und vor allem auf gleicher Gesichtshöhe
407 Proxy Auth. Required Muss Mutter fragen
408 Request Timeout Weisst Du, wie lange Du nicht mehr angerufen hast?
409 Conflict Wer war die da?
410 Document Removed Will Scheidung
411 Length Required Was, DAS soll ein „grosses Teil“ sein?
412 Precondition Failed Wie, Du hast keine Kondome?
415 Unsupported Media Type Nö, zu viert macht keinen Spass
500 Internal Server Error Hab meine Tage
501 Not Implemented Hab ich noch nie gemacht
502 Bad Gateway …ua, salzig!
503 Service Unavailable Migräne
504 Gateway Timeout War’s DAS schon?

Ich nehme an, jetzt wird einigen von euch ein Licht aufgehen.

Noch zwei Hinweise:
Für alle Frauen: Nein, ihr dürft mir keine Hassmails schreiben!

Für alle Unter-16jährigen: Bei Code 502 spreche ich von Salzgurken *g*

Also, ich wünsche allen von euch für diesen Sommer das immer erst Code 302 (Found) und dann Code 200 (Access granted) vorherrscht.

Hier jetzt noch die offizielle Grussbotschaft angemessen der Jahreszeit (auch im Namen der weiblichen Mitarbeiter des DLH): Wir wünschen euch allen ein friedliches und
frohes Osterfest und mögt ihr viele Ostereier finden.

Bis denne

Eurer Bernd Wolffgramm

dlh.net Editorial

Ich habe vor einer Ewigkeit bei dlh.net Editorials gelesen, die mich humorvoll berührt haben. Zwei davon habe ich kürzlich wiedergefunden. Ich kenne sie von Bernd Wolffgramm. Hier kommt das erste:

Liebe Freunde,

wenn wir schon ein gewisses Mindestalter erreicht haben (sagen wir mal mindestens 8 Jahre alt sind), dann befassen wir uns mit den drei wirklichen Herausforderungen des Lebens, die sich durch folgende Fragen manifestieren lassen:

1. Welche Grafikkarte werde ich kaufen?
2. Wer wird deutscher Fussballmeister?
3. Wie muss die ideale Frau/Freundin sein?

Während die ersten beiden Fragen kaum lösbar erscheinen, geht jeder Mann durch gewisse Phasen seines Lebens, in denen sich die Ansprüche an eine Freundin/Frau verändern. Durch diese Phasen bin ich auch gegangen und ich oute mich an dieser Stelle für alle Männer stellvertretend:

Als ich 12 Jahre alt war, wollte ich eine Freundin haben. Als ich 14 wurde fand ich endlich eine, aber sie war nicht leidenschaftlich, also erkannte ich das ich eine leidenschaftliche Freundin haben wollte.

Als ich 18 war ging ich mit einer leidenschaftlichen Freundin aus, aber sie war sehr sensibel. Für sie war alles furchtbar, sie war die Königin der Dramatik, weinte immer und drohte sich umzubringen. Ich erkannte das ich eine selbstsichere Freundin haben wollte.

Als ich 22 wurde begegnete ich einer selbstsicheren Frau, sie war aber langweilig. Sie war absolut vorhersehbar und nichts konnte sie anregen. Das Leben war so langweilig, dass ich mich entschloss eine aufregende Freundin zu suchen.

Mit 24 traf ich eine aufregende Frau, ich konnte aber ihren Rhythmus nicht mithalten. Sie wechselte ständig ihre Interessen, war impulsiv und stritt sich mit jedem. Anfangs war ich darüber amüsiert, aber ich erkannte bald, dass es keine Zukunft haben konnte. Ich suchte dann eine zielstrebige Frau.

Mit 26 Jahren traf ich sie: intelligent, zielstrebig und bodenständig. Sie war eine Kollegin. Sie war so zielstrebig, dass sie meinen Chef schlief und meine Stelle bekam.

Jetzt suche ich eine Frau mit dicken Titten.

Euer Bernd
Superchauvi@babetest.de

(OK, zugegeben, der Text ist alt, er ist bereits hunderte Male kopiert worden und es ist niemandd mehr als Originalautor mehr zu ermitteln. Aber der Text ist so etwas von wahr … )

Der tägliche Schwachsinn frei Haus

Ein altes Werk, erstellt mit Flomato im Jahr 2003.
Wiedergefunden und aus meiner Sicht würdig einer Aktualisierung.
Schreibt Themen, die in der neuen Version nicht fehlen sollen, in die Kommentare 😉

Um halb sechs startet das Programm,
der Schwachsinn fängt von vorne an.

Frisches Geplapper zu heiterer Miene,
das Ziel ist Unterhaltung
gefahr'n wird diese Schiene!

Nicht lange dauert's, dann fängt's richtig an
und Alfred Biolek ist dran.
Wenn es ihm schmeckt, so sagt er: "'s ist gut",
doch nimmt er auch andernfalls keinem den Mut,
denn ging etwas nicht so gut von der Hand,
so schmeckt's ihm am Ende meist "interessant".

Wer meint, durch Nachrichten den Bezug zur Realität zu behalten,
wird spätestens nach 20 Minuten die Hände falten.
Angeschnitten, abgehackt, Hauptsache schnell,
mittags im 12 wirds dann aktuell:
Flotte Beiträge in bunten Bildern,
die freudige bis dramatische Ereignisse schildern.
Aus allen Bereichen und möglichst grell,
steht meist man im Dunkeln, nur manchmal wird's hell.

Die Werbepausen mittendrin
findet doch keiner wirklich "in",
man muss nicht mehr denken,
kriegt gesagt, was man braucht,
lässt sich einfach lenken,
bis der Kopf einem raucht.

Bei Arabella, Andreas, Nicole oder Britt,
bei Vera am Mittag und sonstigem Sh!t,
welches Gehirn macht das lange mit?!?
Nackt wie die Affen stell'n sie sich bloß,
wie Gorillas im Nebel - oh, wie fühl'n sie sich groß,
wie Stiere in der Arena geh'n sie aufeinander los,
werden davon nich mal reich - kriegen 'nen Hunderter bloß.

Ab drei Uhr gibt's nen Verurteilten, nen armen Knecht,
das Ganze geschrieben, mehr schlecht als recht;
das Schicksal ist schon im Voraus bestellt:
der Ankläger sich als Schuld'ger 'rausstellt;
den Autoren egal, weil's ja gefällt,
denn dafür kriegen sie ja ihr Geld.

Wenn man 'nen weit'ren Werbeblock auf'm Sofa verharrt
geht's mit Seifenopern los - in den Vorabendstart.
Den Namen haben sie zurecht!
Seifig sind sie wirklich, und dazu auch noch schlecht.
Alltagsprobleme am laufenden Band,
ein Happy End gibt es immer, das ist schon bekannt:
"Gute Zeiten" und "Schlechte Zeiten" - das weiß Hinz und Kunz
bleiben in Wirklichkeit doch besser "Unter uns"!

Kommt "Talk Talk Talk" mit Sonja Kraus?!?
Schalt' ich den Ton doch ganz schnell aus,
dann ist das Ganze zumindest erträglich,
es soll Leute geben, die schauen das täglich.
Sex sells man sieht's an dieser Frau,
so schamlos stellt sie sich zur Schau.
Das Alles bestätigen die vielen Idioten,
oder besser gesagt die guten Quoten.

Einzig allein was sich offen beschwert,
ist doch in Wirklichkeit etwas Wert:
Mit ihrem Zynismus - die gelbe Welt
alles Überspitzt - nur ein Finger fehlt,
ein großes Kind, wie ein Elefant
hat selbst zwei - doh! - drei Kinder - und wird Homer genannt.
Ein Engel, ein Bengel ein Schnullerkind,
mit Marge seiner Frau, zu fünft sie sind.
Jede Person stellt etwas Höheres dar
Moe, Burns, Crusty - der Superstar:
wie's in der Gesellschaft ist - vielleicht immer schon war?
Sogar die kritisieren den Fernsehkonsum
mit Itchy und Scratchy im Cartoon.
Jetzt kommt der Schluss vom Simpsons-Teil:
Matt Groening, du bist einfach geil!

Im Abendprogramm um viertel nach zehn,
da kann man immer den Kasper seh'n.
Auf and'rer Leut's Kosten die Witze reiße',
ich sag euch, Leute, der is' einfach scheiße!
Die Fehler der Ander'n vermarktet er schön,
zum Glück muss er nicht zu den eigenen steh'n!

Reportagen, Sex und sonstige Thriller
sind am Spätabend dann die Lückenfüller.
Wenn Action, Kung-Fu oder Dauerwerbung über den Bildschirm flimmert,
wird die Sache dadurch noch drastisch verschlimmert!
Zum Glück ist um halb vier die große Wende,
das sinnlose Treiben hat dann endlich ein Ende.

Um halb sechs startet das Programm,
der Schwachsinn fängt von vorne an.

Das Land der unbegrenzten Verschwendung

Ich war kürzlich verreist. Zum Zweiten Mal war ich in den USA. Nachdem ich letztes mal an der Westküste in SanFrancisco war und dort schon erste Eindrücke von den Vereinigten Staaten sammeln konnte, hatte ich diesmal die Gelegenheit mir recht ausführlich NewYork anzusehen.

Am dominantesten ist mir aufgefallen, dass überall geworben wird: Sei es um Jobs, Speisen und Getränke, Autos, Elektronik, Medikamente oder Parteien in der Politik. Wenn man auf der Straße angesprochen wird, dann fast immer, weil man etwas kaufen soll. Kurz gesagt, es geht praktisch immer um Geld oder Macht. Mein Lieblings Kabarettist nennt das Kapitalismus im Endstadium. Zugegeben gibt es ausnahmen. Ein netter Amerikaner hat mir am Times Square geholfen zur richtigen Bahn zu kommen. Und ich wurde noch nie so freundlich gefragt, ob ich Drogen kaufen will, wie im Washington Square Park.

Was New York selbst ausmacht, und mir so extrem auch nicht in San Francisco aufgefallen ist, dass alles von Menschen dominiert wird. Alles ist voll, von gigantischen Häusern, in denen Menschen wohnen oder arbeiten. Überall ist Stahl, Beton und Glas. Wo das nicht der Fall ist, ist wahrscheinlich eine asphaltierte Straße. Jeder Baum ist geplant. Kein Stückchen Natur ist so belassen, wie es mal war – vielleicht abgesehen von ein paar Felsen im Central Park. Einklang mit Natur und Umwelt habe ich nicht gesehen.

Die Supermärkte und auch die kleinen ‚Deli’s, bei denen man unter anderem frisches Obst und Gemüse kaufen kann, bieten einem wenigstens etwas Abwechselung bei der Ernährung. Endlich mal nicht das von Zucker und anderen Kohlenhydraten überladene Standardessen. Klar schmeckt das gut, aber auf Dauer hat es mich Obst und Gemüse sehr vermissen lassen. So kam ich auf die Delis. Wie immer gilt da auch das Motto: „Nicht kleckern, klotzen!“ Deswegen werden dort allabendlich extrem viele frische Lebensmittel einfach weggeworfen. Eine Recherche ergab, dass generell in den USA Essen Massenweise weggeworfen wird. Und das Dimensionen, die man sich als Europäer gar nicht bewusst machen kann. Ein Hoch darauf, dass es Ideen gibt, die Supermärkte bei uns dazu verpflichten sollen ihre abgelaufenen Lebensmittel zu spenden. Die Möglichkeiten in den USA mögen unbegrenzt sein, aber aktuell ist es die Verschwendung auch! Bisher habe ich die USA immer für ihre großen Leistungen sehr respektiert. Leider ist vieles übertrieben groß und damit unnötig verschwenderisch. Effektiv sind die Amerikaner. An ihrer Effizienz sollten sie meiner Meinung nach noch Arbeiten – da gibt es noch viel Platz nach oben!

Lästige Arbeiten erledigen

Wie kriegst du es hin, lästige Aufgaben möglichst effizient zu erledigen? Alles sofort erledigen? Oder eher so lange wie möglich aufschieben?

Lästige Aufgaben hat wohl jeder – wer nicht kann diesen Text gerne auslassen. Ob es „Müll herausbringen“, „Steuererklärung machen“ oder „Bad Putzen“ ist soll egal sein. Aber: Was ist die beste Strategie seine Dinge geregelt zu bekommen? Es gibt viele Ratgeber zu diesem Thema, zum Beispiel Bücher wie:  „Getting things done / Wie ich die Dinge geregelt kriege“ oder „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“. Gerade bei regelmäßigen Arbeiten, kann es hilfreich sein, sich vorher Gedanken zu machen, wie man sie effizienter lösen kann.

Ein Abwasch für eine einzelne Tasse lohnt einfach nicht. Andererseits: wenn sich das dreckige Geschirr bereits stapelt, muss man gleich mehrere Gänge abwaschen und abtrocknen. Das Abtrocknen hätte man sich sparen können, wenn man das Geschirr trocknen lässt – wenn man dafür Platz und Zeit hat. Die effizienteste Lösung ist also weder jede Kleinigkeit sofort zu erledigen, noch sie lange stehen zu lassen. Sobald eine bestimmte Mindestmenge, für die sich das Abwaschen lohnt, erreicht ist, kann man loslegen. Wenn es schon für zweimal Abwaschen reicht, war es zu spät.

Jetzt aber mal weg, von diesem Beispiel. Welche Effekte erleichtern einem die Arbeit, und wann treten sie ein?

Der Effekt oben besagt: Bei regelmäßigen Aufgaben kann es hilfreich sein zu warten, bis sich eine ausreichende Menge Arbeit angesammelt hat, um die Effizienz zu steigern. Wir bilden ein Bucket, eine Gruppe ähnlicher Aufgaben, die auf einen Schlag erledigt werden können und als Gruppe weniger Aufwand machen, als wenn wir jede Aufgabe einzeln bearbeitet hätten. Die Schwierigkeit dabei kann sein, dass man nicht genau weiß, wann der beste Zeitpunkt zum Erledigen ist. Das hängt von der Aufgabe und der Erfahrung mit der Aufgabe ab. Mir hilft es, wenn ich mir Grenzen vorgebe – eine Mindest und eine Höchstgrenze. Bevor die Mindestgrenze nicht erreicht ist, fange ich mit der Arbeit nicht an, wenn die Höchstgrenze erreicht ist fange ich so bald wie möglich an.

Welcher ‚Effekt‘ kann einem noch lästige Arbeit erleichtern? Hilfe! Freunde können einem helfen. Wir haben verschiedene Vorlieben, und das, was für Dich lästige Arbeit ist, macht dein Freund vielleicht zum Spaß, nebenbei. Dafür ist ihm etwas anderes sehr lästig und er schiebt es auf, was Dir leicht von der Hand geht.

Was macht Ihr, um Lästiges zu erledigen?

Schreib, was raus muss

Wieso schreibe ich hier überhaupt? Was soll das eigentlich?

Ich schreibe das auf, was eben raus muss! Gedanken zu Aktuellem, was mich beschäftigt, belastet, bedrückt, bewegt, begeistert.

Schreiben bringt mir Klarheit. Beim Erstellen eines ersten Drafts werde ich mir über all die Details im klaren, über all das, was ein Thema für mich ausmacht. In dem Moment, in dem ich es in Worte fasse und aufschreibe habe ich es auf einen festen Punkt gebracht und damit die Unklarheit eines vagen Gedankens eliminiert. Sobald es aufgeschrieben ist, muss ich mir dazu auch keine Ideen mehr behalten; denn Ideen fliegen mir zu, wenn ich gerade den Kopf frei habe. Wenn ich also nicht schreibe, ist der Kopf mit vielen Ideen beschäftigt und hat keinen Platz für Neues. Also muss es raus!

Oft fühle ich mich schon beim Schreiben befreit. Gedanken, die ich mir behalten wollte, und nicht vergessen wollte, kann ich jetzt getrost vergessen, weil ich sie ja festgehalten habe und im Zweifel nachlesen kann. Beim Lesen der Texte fällt mir dann oft auf, dass sie nicht so final formuliert und vielleicht nicht so klar sind, wie ich sie gerne hätte. Also muss ich den Text noch einmal überarbeiten. Dabei lese ich ihn zunächst und ändere dann die Stellen ab, die noch unklar sind, oder die nicht zum Roten Faden passen.

Normalerweise ist nach dem Schreiben eines Textes für mich der Rote Faden vollkommen klar, aber für einen Leser noch gar nicht. Ich gehe eben oft von Grundlagen aus, die ich nicht beschrieben habe. In vielen Texten geht es mir so, dass mir beim späteren Lesen Unklarheiten auffallen. Der Rote Faden ist total ausgefranst – man kann ihn zwar erkennen, aber er ist verknäult, und weit entfernt vom Ideal. Beim Überarbeiten arbeiten ich ihn dann weiter aus. Und in gleichem Maße, wie der Text klarer wird, werden auch meine Gedanken klarer, geradliniger und nachvollziehbarer – und das nicht nur für mich, sondern auch für alle Leser.

Für mich ist Schreiben und Überarbeiten von Texten also Mittel zum Zweck – ich wünsche mir Klarheit und Kreativität und die bringt es mir.

Wieso schreibt ihr? Wieso lest ihr? Ich freue mich auf Kommentare.

Gegen Diskriminierung und Voruteile

Was ist Diskriminierung? Wieso diskriminieren wir überhaupt? Ist das gut so? Was kann man dagegen tun?

Diskriminierung verstehe ich als Ungleichbehandlung von Menschen wegen eines oder wegen mehrerer Eigenschaften. Spezialfälle davon sind Sexismus, die Diskriminierung bezogen auf das Geschlecht, Rassismus bezogen auf die ‚Rasse‘ etc. Man kann aber auch irgendeine andere Eigenschaft wählen, für die es keinnen eigenen *-ismus gibt. Sei es Körpergröße, Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe, körperliche Statur, Religionszugehörigkeit, Ansichten, politische Meinungen, Bildungsabschluss, sexuelle Vorlieben – lasst Eurer Fantasie hier freien Lauf!

Diskriminierung passiert oft unbewusst! In den USA werden mittlerweile Bewerbungen ohne Foto und Namen eingereicht, da offenbar diese beiden Eigenschaften starken Einfluss darauf haben, ob ein Kandidat vom Vorstellungsgespräch geladen werden soll oder nicht. Ein Blick auf ein Foto gibt uns ein „Bauchgefühl“ über eine Person, ob sie mir sympathisch ist. Mancher glaubt bestimmt, dass man durch ein Foto den Menschen schon besser einschätzen kann.

Ich glaube wir schauen uns das Bild an und assoziieren etwas damit, was eigentlich nicht in dem Bild, sondern in uneren Erfahrungen steckt. Das ist auch natürlich. Wenn das Bild einen Bekannten zeigt behandle ich ihn natürlich anders, als einen Fremden, weil ich ja mehr über den Bekannten weiß. Auch bewusst zu versuchen unser Hintergrundwissen zu ignorieren klappt oft nicht. Das Problem unseres Denkens ist, dass wir auch wenn wir die Person nicht (er)kennen, wir sie unbewusst mit bekannten Personen abgleichen. Sieht die Person ähnlich aus, wie ein Elternteil? Vielleicht ein Verwandter oder Freund? Oder jemand, der einem Leid angetan hat? Und dann assoziieren wir unbewusst unsere Erfahrungen mit der unbekannten Person.

Diese Art zu Denken ist auch eigentlich gar nicht so schlecht, sie hilft uns nämlich in anderen Situationen sehr. Wenn wir abends nach Hause gehen, und den kurzen Weg durch die dunkle Gasse nehmen können, oder den langen Weg über die beleuchteten Hauptstraßen – dann entscheiden wir uns für den beleuchteten Weg. Wir haben nur unvollständige Informationen und entscheiden uns für die Alternative, die unserer Erfahrung nach ‚besser‘ (in diesem Fall weniger riskant) ist. Wir haben ein Vorurteil gegenüber der dunklen Straße. Das ist auch gut so, denn dieses Verhalten beschützt uns. Wir haben also alle Vorurteile und verwenden sie unbewusst.

Im Fall der Straße finden wir auch rationale Gründe für unser Verhalten, auf der beleuchteten Straße sehe ich weiter und kann Gefahren früher erkennen. Unser Hirn ist aber generell gut darin aus einer getroffenen Entscheidung eine plausible Geschichte zu erstellen, die unser Handeln retrospektiv begründet. Das kann unser Gehirn eben auch wenn überhaupt keine rationalen Gründe vorliegen.

„Schwarze Katzen bringen Pech“ mag bestimmt der Erfahrungswert von einigen Menschen sein, weil ihnen eben zufällig etwas schlechtes widerfahren ist, als eine schwarze Katze in der Nähe war. Das kann aber auch einfach Glück oder Zufall gewesen sein. Unsere Erfahrungswerte prägen uns also, müssen aber nicht unbedingt die sachliche Wahrheit widerspiegeln. Beim Katzenzuchtverein sind auch viele schwarze Katzen; trotzdem passieren dort nicht mehr schlimme Dinge, als im Hundezuchtverein.

Wichtig ist jetzt noch zu unterscheiden welche unserer Vorurteile der Realität entsprechen und welche nicht. Zum Beispiel sind homosexuelle Männer bei der Blutspende ausgeschlossen! Mehr dazu hier. Wieso sind sie ausgeschlossen? Weil des Vorurteil besteht, dass homosexuelle Männer eher HIV haben. Die rechtliche Grundlage dazu bietet in diesem Fall die Statistik, die genau dieses Vorurteil untermauert: homosexuell aktive Männer bilden eine Risikogruppe. Das heißt nichts anderes, als dass das Vorurteil in diesem Fall statistisch belegt ist. Nach meiner Definition oben „Ungleichbehandlung von Menschen wegen eines oder wegen mehrerer Eigenschaften“ handelt es sich hier um Diskriminierung.

Es macht also einen Unterschied, ob ein Vorurteil statistisch belegt ist oder nur auf Erfahrungswerten beruht. Im einen Fall ist es begründet, im anderen nicht. Wir können und wollen aber auch nicht immer alles statistisch belegen, gerade weil Statistiken oft auch subjektiv sind und stark von der Auswertung abhängen.

Beispiel: „Kindersterblichkeit beziffert den Anteil der Kinder, die im Zeitraum der ersten fünf Lebensjahre sterben, bezogen auf 1000 Lebendgeburten.“ Das klingt erstmal gut und das klingt auch so, als ob man diese Regel überall auf der Welt anwenden könnte, um objektiv Kindersterblichkeit vergleichen zu können. Viel Unklarheit steckt in der Definition ja auch nicht drin, abgesehen von dem Wort „Lebendgeburt“, denn die müsste ja auch überall auf der Welt gleich definiert sein – ist sie aber nicht! Während zum Beispiel in der DDR zwei Lebenszeichen für eine Lebensgeburt nötig waren, reichte in der BRD bereits eines. Mehr dazu hier.

Unsere Vorurteile sind also subjektiv, oft unbewusst und manchmal statistisch belegbar. Selbst wenn Zusammenhänge statistisch belegbar sind heißt aber noch lange nicht, dass sie immer zutreffen! Wenn wir uns einem Unbekannten gegenüber sehen, der aussieht als wäre er ein Massenmörder, dann sollten wir uns vielleicht bewusst machen, dass wir eigentlich gar keine Massenmörder kennen und uns deswegen einfach überraschen lassen sollten, wie der Mensch so ist.

Er ist wieder da! Oder er ist zumindest auf dem Weg…

Wer es nicht kennt: Sowohl das Buch „Er ist wieder da“ als auch der gleichnamige Film sind absolut lesens- bzw. sehenswert. Es handelt davon, dass Hitler in der heutigen Zeit wieder auftaucht und sich die Welt von heute betrachtet. Das Ergebnis ist hart, wahr und oftmals wunderschön und lustig verpackt.

Aber zum eigentlichen Thema: Wie kam Hitler an die Macht? Ich bin kein Geschichtsexperte, aber soviel habe ich gelernt, dass einer der Gründe für seine anfangs große Beliebtheit beim Volke war, dass er ein Macher war. Er machte klare Aussagen über klare Ziele, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Bauen von Autobahnen. Zu dieser Zeit waren die Menschen eher politikverdrossen von bürokratischen Reden, und von einer eher festgefahrenen Politik. Außerdem hatten sie unter der Wirtschaftkrise und unter hoher Arbeitslosigkeit zu leiden.

Wie sieht es denn heute aus? Atomausstieg: Wir müssen aussteigen, denn es ist gefährlich. [Abgesehen davon müssten eh mal die Endlagerfrage klären].  Dann der Wandel: Unsere Atomkraftwerke sind die sichersten! Wir steigen doch nicht aus. Nach Fukushima dann wird sich unsere Chef-Physikerin bewusst, dass das Wort „Restrisiko“ das Wort „Risiko“ beinhaltet und das auch eintreten kann. Also doch: Ausstieg, jetzt aber sofort! [Das soll nur ein Beispiel für die Gradlinigkeit unserer Politik sein. Wenn sie ein Fähnchen im Wind wäre, würde sich der Mast auch mit biegen!]

Gleichzeitig wirbt Europa für ein gemeinsames Miteinander. Die EU hat als Ziel noch enger zusammenzuwachsen, gleichzeitig expandiert sie ständig weiter. Um wirtschaftlich mit USA oder China zumindest in einer Liga zu sein ist das wichtig. Dafür braucht man aber auch das Volk, was das möchte.  Wenn – wie aktuell wegen der Flüchtlingkrise – ein heftiger Streit ausbricht, sollte man sich als ein Europa vielleicht gemeinsam überlegen, wie man damit umgehen will. Oder man spricht sich eben nicht ab und sorgt für Unzufriedenheit in praktisch allen Lagern.

Ein Austritt aus der EU ist bis zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht vorgesehen – wieso auch? Bei einem Arbeitsvertrag oder Kaufvertrag gibt es die Möglichkeit ja auch nicht.

Als sich gerade Gruppen wie Pegida gegründet hatten, hätte ich gesagt: „Ich befürchte, dass Deutschland einen neuen Hitler hervorbringt. Einen nationalistischen Politiker, der pragmatisch Dinge anpackt – oder das zumindest behauptet – und deswegen viel Zuspruch bekommt. Wer weiß, welche kranken, vielleicht faschistischen Ideen dieser Mensch noch hätte und welche Auswirkungen dann eine entsprechende Politik auf die ganze Welt haben würde.“

Seit der kürzlichen politischen Entwicklungen bin ich aber beruhigt. Bei den nationalistischen Entwicklungen sind uns andere EU-Länder weit vorraus.

…darunter 11 Deutsche

Ein Ausschnitt eines Berichts könnte so lauten:

„… beim Terroranschlag starben 3 Menschen, mehrere hundert wurden verletzt … darunter 11 deutsche.“

Geht es uns nur darum, wieviele deutsche verletzt wurden? Zählen die anderen weniger, oder gar nicht?

Wie ist es mit den Franzosen? Nach den Anschlägen in Paris haben wir voll hinter ihnen gestanden und nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo gab es in vielen deutschen Städten Demonstrationen, auf denen laut „Je suis Charlie!“ gerufen wurde. Also zählen Franzosen doch auch, oder? Zumindest etwas mehr als der Rest?

Wie ist es mit Griechen? Die müssen doch auch zählen, oder? Sonst hätten wir ihre Wirtschaft ja auch nicht zu retten brauchen, oder? Die gemachten Rettungsschirme gelten ja für alle Länder der Eurozone, also müssen die Menschen dort ja auch etwas zählen.

Was ist mit unseren Alliierten? Den Amerikanern? Japanern? Chinesen? Russen? Syrern? Libanesen? Indern? Und mit den vielen anderen?!

Ich bin Mensch und die anderen auch!

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ – oder doch?

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ – oder doch?

Wir haben die Mauer schon. Wir haben sogar viele Mauern, jeder seine eigene. Jeder zu seinem eigenen Schutz. Ich lasse nichts an mich ran. Nichts und niemanden. Dann bin ich sicher. Nur dann bin ich sicher. Und Sicherheit – die brauche ich, die brauchen wir alle, besonders wir Deutschen.

Wir sind verunsichert. Wenn wir uns öffnen, unsere Mauer ein Stück absenken und jemandem die Chance geben herüberzuschauen, geben wir ihm auch die Möglichkeit uns anzugreifen. Und wir wurden alle schon verletzt. Die Gefahr ist vorhanden und Schmerzen wollen wir nicht erleiden. Deswegen senken wir unsere private Mauer nicht, oder wenn dann nur ganz wenig.

Menschen einfach auf der Straße kennenzulernen, sich zu unterhalten – wer macht das eigentlich noch? Viele sind viel zu sehr beschäftigt, mit ihrem Handy, oder mit Musikhören, oder mit irgendwas anderem. Oder sie trauen sich nur noch in den öffentlichen Raum mit ihrem Kopfhörer als akustische Mauer. Wenn ich gegrüßt werde brauche ich gar nicht mehr reagieren, ich habe ja Musik gehört und den Gruß gar nicht wahrgenommen. Dafür habe ich mal wieder mein aktuelles Essen auf Facebook mit meinen Freunden geteilt. Statt mich auf neue Menschen einzulassen und mit ihnen vielleicht über etwas zu sprechen, was mir eine neue Weltanschauung geben könnte. Viele nehmen ihr Smartphone auch mit auf die Toilette. Klar, da kann ich dann meine Zeit besser nutzen, die Pause zum Durchatmen (soweit man das da kann) stattdessen nutzen um Emails abzurufen oder meine jetzt mangelnden sozialen Kontakte online zu pflegen. Völlig ohne zwischenmenschlichen Kontakt, nur durch Drücken auf dem Touchscreen. – Vielleicht täte Drücken im echten Sinne mal gut, so eine Umarmung, mit echtem Menschen, dessen zwanzig Kilo Übergewicht man dann am eigenen Leib spürt. Die bringen einen dann vielleicht auch dazu nachzufragen: „Geht’s Dir gut?“

Kontakte pflegen, indem man da hin geht, wo ein netter Mensch wohnt, klopft oder klingelt, hereingelassen wird und mit ihm etwas Zeit verbringt. Wenn keiner da ist, gehe ich wieder. Und wenn jemand da ist, der aber gerade etwas zu tun hat, dann muss ich nicht wieder gehen, sondern helfe dabei. Ob es kochen, einkaufen oder aufräumen ist. Für einen Freund am Tisch mehr ist immer noch Platz!

Aber es gibt noch eine weitere Mauer, die dienstliche, geschäftliche. Wenn ich dem Kollegen meinen Trick verrate, mit dem ich meine Arbeit schneller als alle anderen schaffe, dann verliere ich meinen Vorteil. Der Kollege wird zum Konkurrenten, und schlimmer ist noch: nicht nur dass wir dann zwei sind, die schneller arbeiten können, hat er auch das Wissen wie das geht. Wenn er das veröffentlicht, habe ich gar keinen Vorteil mehr. Und nur mein aktueller Vorteil bringt mir doch Sicherheit für meinen Beruf. Ohne meinen Trick ist mein Beruf unsicher. So unsicher wie jeder andere Beruf auch.

Früher lernte man einen Beruf und arbeitete dann in ihm eine lange Zeit. Heutzutage ist der Wandel schneller geworden. Die Technik automatisiert mehr und mehr Arbeitsplätze. Beängstigend! Keiner ist mehr sicher. Kein Arbeitsplatz und kein Mensch. Und wozu? Für das größere Wohl von allen? Wem opfern wir da gerade unsere Sicherheit? Uns gegenseitig? Dem Gemeinwohl? – Immerhin steigert es die Produktivität. Was ist dieses „es“? Unsere Angst. Menschen gehen weniger zum Arzt, und lassen sich weniger häufig krank schreiben, weil sie Angst haben deshalb ihren Job zu verlieren. Viele müssen Arbeitsverträge zu absurden Verhältnissen annehmen, nur um überhaupt über die Runden zu kommen. Psychische Krankheiten wie Burnout nehmen seit Jahren zu. Und „Entschleunigen“ ist leicht gesagt, wenn man Zeit hat. Aber was ist mit denen, bei denen die „Entschleunigung“ zum Verlust des Jobs und der Lebensgrundlage führt? Wenn alleine nichts mehr geht, holt euch Hilfe! Ihr seid nicht allein.

Reißt die Mauern ein! Lasst andere in euer Leben, und werdet selbst Teil des Lebens der anderen.
Geht das Risiko ein! Leben bedeutet auch mal eine Verletzung zu ertragen, denn man bekommt dafür die Chance gigantische Erfolge zu haben. Das muss nicht heißen Star zu sein oder reich zu werden, aber vielleicht etwas zu erreichen, was gerade in diesem Moment nur ihr erreichen konntet: Einen Freund umarmen, einem Fremden etwas schenken, den, der so verloren wirkt fragen, wie man ihm helfen kann. Lasst andere über eure Mauer schauen und gebt ihnen eine Chance.

Wenn ihr selbst eure Mauer nicht abbauen könnt, hindert andere nicht daran sie abzubauen – das Risiko lohnt sich.